April 2010
(Foto: Eike Schädel)
Wenn man sich hinsetzt um einen "über mich"-Text zu schreiben, ist der erste Gedanke, der einem in den Sinn kommt:
"Was gibt es denn über mich zu erzählen?"
Jeder, der sich vielleicht schon einmal mit einer ähnlichen Aufgabe konfrontiert sah, weiß, dass dies kein so leichtes
Unterfangen ist - erst recht, wenn man
gerade erst mal gute zwanzig Jährchen auf dieser Welt weilt.
Bei näherer Betrachtung des eigenen Lebens, kommen einem dann doch so die einen oder anderen Dinge in den Sinn, die vielleicht
erwähnenswert wären.
Wenn man diese dann sammelt, taucht dann schnell die nächste Frage auf: "Womit fange ich an?"
Ich würde sagen, mit dem Anfang.
1989
Ich wurde am 23. April 1988 in Gera geboren, anschließend lebte ich - wenn auch nicht lange - in der schönen Stadt Altenburg, welche sehr weit im Osten Thüringens liegt.
Am 9. November 1989 passierte etwas, womit bis dato keiner gerechnet hatte: Die Berliner Mauer fiel.
Mein Eltern hatten einen sehr entscheidenden Grund, diese Gelegenheit den Osten zu verlassen, zu nutzen: mich.
Ich litt zu dieser Zeit an einer schweren Atemwegsentzündung, genannt Pseudokrupp, und die entsprechende Behandlung
durch die DDR-Ärzte erfolgte erst nachdem mein Vater sie durch vehemente Weigerung, das Krankenhaus zu verlassen, erzwang.
Diese beinah zu spät erfolgte Behandlung erschütterte meine Eltern dermaßen, dass sie beschlossen nicht länger in einem Land
zu bleiben, in dem die Mediziner das eigene Kind über die Klinge springen lassen würden. Sie zogen mit mir, meinem damals
15 Jahre alten Bruder und allem, was in den Trabbi passte*, nach Hessen.
Da aller Anfang schwer ist, fanden wir zunächst ein Zuhause bei meiner Oma, die schon einige Jahre zuvor in den Westen übergesiedelt war.
Sie lebte allerdings in einer 1-Zimmer Wohnung - und wir waren mit ihr insgesamt 5 Personen. Da ich für meinen Teil noch in einem ziemlich platzsparenden
Format erhältlich war, hatte ich es wahrscheinlich als einziger in dieser WG bequem.
Es folgten eine Reihe von Umzügen und mehre Jahre, in denen meine Eltern sich eine Existenz aufbauten und ich zu einem der wahrscheinlich ersten
hessisch-thüringischen Dialekthybriden in dieser Ära wurde. Am Ende der Hessenreise stand die im Vorspessart gelegene Gemeinde Freigericht, wo meine
Eltern auch heute noch leben.
Mein Bruder zog, kaum volljährig geworden, in die alte Heimat Altenburg zurück.
* Was nicht viel war!
Bücher sind für mich ein wichtiger Teil meines Lebens. Tatsächlich war das erste Buch, dass im Alter von etwa acht Jahren aus eigenem Antrieb gelesen
habe, Robinson Crusoe von Daniel Defoe - ein Buch dass mich sehr beeindruck hat, obwohl es ohne große Aktion oder Nervenkitzel auskommt.
Je nach Situation und meiner Persönlichen Stimmung lese ich seit dem etwa bis zu zwei Bücher in der Woche, wobei ich mich oft nach Autoren richte.
Ich habe einige bevorzugte Autoren und auch einen klaren Lieblingsautor; Den unangefochtenen König der Geschichtenerzähler - Terry Pratchett.
Meine Buchsammlung ist recht groß - meine Filmsammlung ebenso. Auch hier habe ich eine Reihe von Lieblingsregisseuren, wobei die Liste ganz klar von Tim Burton angeführt wird.
Inzwischen betrachte ich Filme jedoch meist im Vorab mit kritischem Blick um zu beurteilen ob es sich lohnt dafür ins Kino zu gehen, ihn stattdessen auf DVD zu kaufen oder ihn höchstens mal im
Fernsehen zu sehen.
Letztendlich bin ich einfach jemand, der eine gute Geschichte zu schätzen weiß.
Sobald ich schreiben gelernt hatte, habe ich auch gleichzeitig damit angefangen, gesehene Filme und gehörte Geschichten weiterzuspinnen, oder mir eigene auszudenken. Während sich andere Kinder in meinem Alter nur in der Schule mit solchen verhassten Objekten, wie Stiften, Schreibblöcken und den fremden Wesen namens Büchern beschäftigten, habe ich im Grundschulalter angefangen meine Fantasie mit Hilfe von Aufsätzen und kleinen Comics Marke Eigenproduktion auf die Reise zu schicken. Ein leeres Blatt Papier, besser noch: ein schönes, handliches Notizbuch und dazu ein spitzer Bleistift oder ein einfacher Kugelschreiber. Diese Dinge haben etwas magisches; ein Stift und eine leere Seite gehören einfach zu den simpelsten Dingen, mit denen man etwas erschaffen kann. Man kann so viel damit anstellen: Von einer einfachen Cartoon über ein Charakterbild zu einer Konzeptzeichnung bis hin zu dem Spiel mit den Wörtern. Sätze zu bilden und einzelne Worte davon ersetzen, bis sie die richtige Form haben. Meine zeichnerischen Fähigkeiten sind leider ziemlich begrenzt, dennoch sind sie für mich ein wundervolles Mittel um Ideen zu sammeln. Ich liebe es ein Blatt Papier wie einen Raum mit Ideen zu füllen und habe die Angewohnheit dabei möglichst keinen Platz zu verschwenden.
Die wenigsten Leute stellen sich selbst heutzutage die Frage, woran sie eigentlich wirklich glauben.* Ich selbst war als Jugendlicher dumm genug mich als Atheist zu bezeichnen und zu fühlen.
Atheismus ist jedoch ein Widerspruch in sich: Es handelt sich um die logische Erkenntnis, dass es keine höhere Existenz geben kann und dass unser Dasein auf kosmischer Willkür beruht. Führt
man diesen Gedanken allerdings konsequent fort, sollte man irgendwann zu der ebenfalls logischen Schlussfolgerung gelangen, dass man mit dieser Einstellung nicht glücklich werden kann.
In anbetracht dieser Erkenntnis, habe ich mein Weltbild optimiert: Ich bin Agnostiker.
Meiner Ansicht nach ist es egal, woran man glaubt - wichtig ist, dass man an etwas glaubt. Es kann sich dabei um einen Gott oder das Schicksal selbst handeln**, allerdings muss das nicht unbedingt der Fall sein: Es genügt schon an ein Prinzip,
eine Idee oder ein persönliches Ziel zu glauben. Der Knackpunkt besteht darin, dem eigenen Handeln einen Sinn zu verleihen, da dieser als Antrieb für den eigenen Motor unabkömmlich ist.
Nun habe ich mir einen ganz eigenen Glauben geschaffen, der mich immer wieder daran erinnert, weshalb ich die Dinge schreibe, die ich schreibe: Den Glauben an die Handlung.
Jede Handlung existiert irgendwo und irgendwann. Genau aus diesem Grund ist es auch unmöglich, sich eine neue Handlung auszudenken, es hat sie garantiert schon einmal in irgendeiner
Form gegeben - auch wenn man höchstwahrscheinlich noch nie von ihr gehört hat.
Wenn ich eine Geschichte schreibe, ist es die Handlung, die ihren Verlauf bestimmt.
Meine Theorie ist nun folgende: Ein Autor kann sich alle Elemente seiner Geschichte - die Charaktere, die Welt in der sie spielt und sogar den Erzählstil, mithilfe dessen er sie aufs Papier bringt, aussuchen - aber die Handlung liegt
jenseits seines Einflusses. Handlung existiert und gibt Geschichten ihren Lauf. Geschichten wiederum wollen erzählt werden. Die Konsequenz ist offensichtlich:
Der Autor ist nur ein Medium, der Form und Aussehen der Geschichte bestimmen kann, beim Schreiben selbst aber von der Handlung gesteuert wird (nicht andersherum).
Natürlich gibt es auch Scharlatane die Versuchen eine nicht vorhandene Handlung zu erfinden. Das Ergebnis sind Geschichten, die diese Bezeichnung gar nicht verdient haben, es jedoch in Form von schlechten Filmen
und Bücher dennoch wagen in unser Bewusstsein zu kriechen. Man erkennt die kleinen Bastarde ganz leicht an ihren Handlungslücken und Logikfehlern.
Tatsächlich kann ein Autor die Handlung seiner Geschichte nicht zurechtbiegen, wenn er es versucht kommt dabei etwas heraus, dass unter dem verbreiteten Fachbegriff "Murks" bekannt ist.
Wenn ich Beispielsweise eine Horrorgeschichte über einen unsterblichen Dämon schreibe, welcher am Ende vom letzten überlebenden Helden und seiner Freundin zugunsten eines Happy Ends getötet werden kann,
besteht das Problem keineswegs in der physikalisch unmöglichen Unsterblichkeit der Kreatur, denn jede Geschichte ist ein eigenes Universum, dass seinen eigenen Regeln folgt. Allerdings muss ich mich auch an die Regeln,
die ich mir innerhalb dieses Universums selbst auferlegt habe, halten - auch wenn das bedeutet, dass der Dämon den Helden massakriert, seine Freundin frisst und danach über den Rest der Welt herfällt.
Die Handlung steigt aus ihren geheimnisvollen Sphären herab, sucht sich einen Autor mit seiner Geschichte und sagt beiden wo's langgeht. Sie tut dies aus absolutem Eigeninteresse, denn eine Handlung will erzählt werden,
sie will geschehen. Allerdings muss man sie als Autor auch geschehen lassen, sonst kann einfach keine Geschichte entstehen.
Dem ein oder anderen mag diese Denkweise als Glaube nicht so ganz einleuchten, aber ich finde sie nicht besser oder schlechter als die meisten anderen.
* Jemand anderen danach zu fragen macht keinen Sinn. Er wird die Antwort nicht wissen und einem bestenfalls seinen eigenen
Glauben aufschwatzen wollen.
** Oder auch gerne um eine der jüngeren Religionen wie z.B. Quantenphysik ...
Nun habe ich bereits ziemlich viel über meine lebenslange Liebesaffäre zum gedruckten Wort erzählt, was Sinn macht, da sich diese Seite schließlich auch
mit mir als Autor und meinem Werk* beschäftigt. Allerdings habe ich davon abgesehen auch noch ein Leben, dessen erwähnenswerte Abschnitte natürlich auch in die Rubrik
"Der Autor" gehören und denen daher an dieser Stelle ein kurzer Auftritt gewidmet sei.
Wie bereits erwähnt landete ich nach der Flucht in den Westen mit meinen Eltern im hessischen Vorspessart, wo ich die (mehr oder weniger) bekannte Kopernikusschule Freigericht (kurz: KSF) besuchte.
Es handelt sich dabei um eine Europaschule und nebenbei die größte allgemeinbildende Schule in Deutschland. Zu meinen Lieblingsfächern zählten die Naturwissenschaften, sowie Mathematik und
technisches Zeichnen, also Dinge die unglaublich viel mit den Tätigkeiten eines Autors gemein haben.
Der Grund dafür ist mein großes Interesse an der modernen Wissenschaft und ihren Errungenschaften und die Tatsache, dass ich mich einfach gerne damit beschäftige komplexe Abläufe logisch nachzuvollziehen.
Außerdem bin ich stets bestrebt meine Allgemeinbildung voran zu treiben, da dies die Recherche beim Schreiben unheimlich erleichtert.
Nun gab es in der Schule ein Fach, das mir ganz besonders lag und das war die Chemie. Als ich also in die 10. Klasse kam und damit dem Ende meiner Schulausbildung entgegen steuerte stand ich vor der Wahl, mich mit einer
Berufsausbildung ins Arbeitsleben zu stürzen oder meine Schulausbildung über Abitur fortzusetzen und ein Studium anzustreben. Wenn ich heute einen Blick auf den Arbeitsmarkt und Ausbildungsplatzsituation werfe,
kann ich ruhigen Gewissens behaupten damals die richtige Wahl getroffen zu haben, was ich vor allem meiner Mutter zu verdanken habe, die meine schulische Laufbahn mit Argusaugen überwacht und mir diese Entscheidung
überhaupt erst ermöglicht hat. Ich begann mit meinem Realschulabschluss in der Tasche eine Ausbildung im Industriepark Höchst als Chemielaborant.
Ein paar Worte zum Industriepark in Frankfurt Höchst: Dieser existiert bereits seit fast anderthalb Jahrhunderten, war früher einmal unter dem Namen "Hoechst AG" bekannt und produzierte seit seiner Gründung wichtige Industriechemikalien, allen voran Farbstoffe. In den 90er Jahren ließen sich dann Kosmetik- und Pharmaunternehmen auf dem Gelände nieder. Der größte Frosch im Teich kam aus Frankreich und nannte sich Aventis. Die Hoechst AG wurde aufgelöst und zum Industriepark und Unternehmensstandort verschiedener Firmen umfunktioniert. Der Platzhirsch Aventis fusionierte 2004 mit dem ebenfalls französischen Pharmakonzern Sanofi-Synthelabo zu Sanofi-Aventis. Dies war gleichzeitig das Jahr meiner Einstellung als Azubi.
I'm chemist.
If you see me runnig, try to keep up with me.
(Bild: Charlie Fricke)
Eine Ausbildung in der Chemie ist ungeheuer interessant, allerdings sollte man einige maßgebliche Aspekte berücksichtigen, wenn man einen solchen Beruf anstrebt. Allgemein haben Chemiker den Ruf des öfteren mit rußgeschwärztem Gesicht über einem
Reagenzglas zu stehen und verblüfft zu blinzeln, während der Tinnitus von der kurz zuvor erfolgten Explosion allmählich abklingt. Ich würde an dieser Stelle gerne mit dem Vorurteil aufräumen dass Labore ein Ort voll witziger Explosionen
sind. Im Normalfall explodiert bei der Arbeit als Chemielaborant erstaunlich wenig, um nicht zu sagen: beinah gar nichts.
Natürlich war ich über diese Tatsache angemessen enttäuscht.
Legt man objektive Maßstäbe an, ist eine Explosion natürlich etwas, dass im Alltag überhaupt nicht witzig ist. Es sei denn sie geht glimpflich aus und wiederfährt jemand anderem. Zum Glück hatte ich in meiner Ausbildung einen guten Freund
der bestrebt war, exakt diese beiden Parameter zu erfüllen und mir immer wieder aufs neue bewiesen hat, was man für herrlichen Scheißdreck mit den richtigen Chemikalien anstellen kann, wenn man sich damit auskennt. Auch hat er nicht davor zurückgeschreckt mir
anhand eines Selbstexperimentes zu zeigen, welches beeindruckende Resultat man erzielen kann, wenn man ein selbstgemachtes Diazoniumsalz im Ofen trocknet. **
Als Dank für seine lehrreichen und selbstlosen Lektionen bekam er später einen namentlichen Auftritt in meinem Buch.
Die berufliche Hauptanwendung von Chemielaboranten findet sich heute vor allem in der Pharmaindustrie. Aus diesem Grund ist die Ausbildung nicht nur präparativ, sondern größtenteils analytisch orientiert. Das heißt: Man lernt Messmethoden und Geräte zum Analysieren von
Stoffen kennen. Wenn eine Firma Produkte herstellt, die ein Kunde (Lebensmittel) oder Patient (Medikamente) später einmal zu sich nimmt, so sollten sie schon die genauen Inhaltsstoffe und Konzentrationen ihrer Produkte ermitteln und nachweisen können.
Es gibt da sehr strenge Richtlinien von der europäischen Regierung und der amerikanischen Food and Drug Administration (kurz: FDA). Zu diesem Zweck gehört zur Ausbildung eines Chemielaboranten auch eine sehr trockene Lektion, die in der Qualitätskontrolle von
Arznei- und Lebensmitteln überlebenswichtig ist: Die Good Manufacturing Practice (kurz: GMP). Simpel ausgedrückt ist das ein Konzept mit den man sicherstellt, dass jeder Handschlag der bei der Herstellung und Überprüfung eines Produktes gemacht wurde,
dokumentiert und einwandfrei nachvollziehbar sein muss. Das heißt für den Laboranten dass er eine sehr saubere Dokumentation durchführen und bei allem was er tut eine Unterschrift samt Datum leisten muss. Zusätzlich unterliegt jeder Prozess dem Doublecheck,
was bedeutet das jedes Dokument nach dem Vier-Augen-Prinzip überprüft werden muss - meistens anschließend noch vom Vorgesetzten. Bevor ein neues Gerät in Betrieb genommen wird muss es qualifiziert werden und für jede Methode muss eine Validierung vorgenommen werden.
Zusätzlich ist viele Stunden damit beschäftigt für jeden Prozess eine Arbeitsanleitung, genannt "Standard Operating Procedure" (kurz SOP), zu schreiben, die idiotensicher verfasst sein muss. Kurzum: Es ist eine Branche voller Anglizismen.
Auch wenn mich das Thema in der Ausbildung überhaupt nicht begeisterte, ist die Qualifizierung und Validierung von Systemen heute meine Kernaufgabe. Ich habe mit meinem Ausbildungsberuf des Chemielaboranten seit zwei Jahren nichts mehr zu tun und bin heute dafür zuständig die
Anschaffung neuer Prüfgeräte von der Bestellung an zu betreuen, Testverfahren zu organisieren und die unzähligen Dokumente, die für so eine Validierung notwendig sind, zu verfassen. Da diese Dokumente absolut narrensicher formuliert sein müssen, hat diese Arbeit
einen unwiderruflichen Einfluss auf meinem Schreibstil genommen, da ich seitdem auch beim schreiben hin und wieder dazu neige in unmissverständliche Formulierungen zu verfallen.
Überraschender Weise macht diese ausgefallene Arbeit mir obendrein auch noch Spaß, da sie abwechslungsreich ist und den Denkapparat in Gang hält. Am Ende kommen die Dinge immer anders als man denkt - und man hat bemerkenswert wenig Einfluss auf ihre Entwicklung.
Da es vom Wohnort meiner Eltern bis nach Frankfurt Höchst zur Arbeit recht weit ist, habe ich nach Beendigung meiner Ausbildung im Hotel Mama ausgecheckt und wohne nun mit meiner Freundin Eike in Oberursel.
* Ich hoffe, dass ich diese Aussage schon bald im Plural anwenden kann.
** Es handelte sich dabei um eine der erwähnten glimpflichen Explosionen, die lediglich mehrere geplatzte Äderchen und einen vollkommen zerstörten Ofen zur Folge hatte.
Mit etwa 16 Jahren begann ich damit, eine Geschichte zu schreiben, die wirklich umfangreich werden sollte. Das was in den darauf folgenden Jahren daraus entstanden ist, war zu groß um nur noch eine einzelne Geschichte zu sein.
Die Handlung, die sich in mein Bewusstsein gequetscht hatte und mich fortan als Medium benutzte, erwies sich als ziemlich korpulent. Es war mir einfach nicht möglich diesen Brocken in einer einzelnen Geschichte zu verpacken.
Die Lösung des Problems bestand darin, nicht eine Geschichte zu schreiben sondern mehrere. Die Handlung ist es dann, die diese einzelnen Geschichten wie Kapitel miteinander verbindet und ohne mein zutun zu einem Gesamtwerk werden lässt.
Ich begann mit meiner ersten Geschichte für die üppige Handlung: Die Geschichte von Liam. Lange Zeit habe ich nur für mich und eine besondere Person geschrieben, die mir zu dieser Zeit sehr wichtig und außerdem die Inspiration zu dieser
ersten Geschichte war. Später habe ich dann auch mal Freunde und Bekannte über die frisch entstandenen Kapitel lesen lassen und stets die gleiche Resonanz bekommen: "Bring das doch als Buch raus".
Als die Geschichte nach dreihundertsechzig DIN-A4 Seiten vollendet war, war es schließlich mein Vater der mich überredet hatte, mich zu einer Veröffentlichung durchzuringen.
Nun stand ich vor dem 1. Problem: Die Seitenzahl des Werkes würde sich im Buchformat verdoppeln. Nachdem ich einen Verlag gefunden und das Buch veröffentlicht hatte, folgte auch schon das 2. Problem auf dem Fuß:
Der Buchmarkt hat leider das gleiche Problem wie der Musikmarkt und das Fernsehen - er ist hoffnungslos überladen, da wirklich jeder meint, die Öffentlichkeit mit seinem Gedankengut
bombardieren zu müssen. Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, dass man sich bei der Wahl eines Buches weder auf Klappentext noch den Rest des Einbandes wirklich verlassen kann.
Man hat eigentlich nur zwei Möglichkeiten, einen Fehlgriff zu vermeiden: Entweder man kauft eins von einem Autor, mit dem man bereits gute Erfahrungen gemacht hat, oder man macht
sich vor dem Kauf über das Buch schlau, indem man entweder reinliest oder sich im Internet darüber informiert.
Das ist das Problem, vor dem jeder Autor steht: Du kannst das tollste Buch der Welt schreiben und trotzdem damit scheitern, weil es einfach niemand kennt und kauft. Da ich aus unerklärlichen Gründen noch nicht bekannt genug bin,
dass man mein Buch nach dem Autor-Auswahlverfahren kaufen würde habe ich mich für die zweite Möglichkeit entschieden, mir binnen zwei Wochen HTML beigebracht und diese Seite ins Leben gerufen.
April 2010
(Foto: Eike Schädel)
Letzten Endes will ich einfach nur gelesen werden. Ich wünsche mir, dass die Leute meine Geschichten lesen und sich Gedanken darüber machen. Super wäre es, wenn sie ihnen sogar gefallen. Ich habe es weder auf Literaturpreise noch auf das
große Geld abgesehen, denn die wichtigsten Preise im Leben kann ich mir nicht verleihen lassen und zum Geld verdienen gehe ich arbeiten. Dennoch sind die Verkaufzahlen ausschlaggebend für mein weitere literarische Tätigkeit, denn als unbekannter
oder schlecht verkaufter Autor kommt man nicht umhin, die Druckkosten für die Auflage zumindest anteilig zu tragen - und die liegen im minimal vierstelligen Bereich. Ich habe diese finanzielle Bürde für das erste Buch auf mich genommen,
kann und werde dies aber nicht noch einmal tun. Ich selbst kann nur noch zweckdienliche Werbemaßnahmen ergreifen und hoffen, dass sich mein Buch verkauft, denn ich möchte meine Geschichte gerne zu Ende erzählen.
Und vielleicht auch noch ...
... ein paar Geschichten mehr.